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Bitcoin Nachlassplanung

Bitcoin Nachlassplanung Schweiz 2026 Anleitung

Veröffentlicht am June 2, 20268 Min. Lesezeit
MH
Geschrieben von Mohamed Habbat · Autor

In diesem Artikel

  • TL;DR
  • Warum Bitcoin-Nachlassplanung anders ist
  • Schweizer Erbrecht Grundlagen für Bitcoin
  • Pflichtteilsquoten 2026
  • Erbvertrag versus Testament
  • Schritt 1 Bitcoin-Inventar erstellen
  • Schritt 2 Shamir Backup oder Single-Seed wählen
  • Schritt 3 Multisig-Setup einrichten
  • Schritt 4 Versiegelter Vollstrecker-Umschlag vorbereiten
  • Schritt 5 Schweizer Notariatshinterlegung beim Notar
  • Schritt 6 Erben-Tutorial mit jährlichem Restore-Drill
  • Schritt 7 Jährliche Überprüfung des Setups
  • AMLO-FINMA und GwG-Compliance für Erben
  • Die technische Sicherheitsebene und warum der Seed niemals digital sein darf
  • Was ein Schweizer Notar für Bitcoin-Nachlassplanung wissen sollte
In diesem Artikel
  • TL;DR
  • Warum Bitcoin-Nachlassplanung anders ist
  • Schweizer Erbrecht Grundlagen für Bitcoin
  • Pflichtteilsquoten 2026
  • Erbvertrag versus Testament
  • Schritt 1 Bitcoin-Inventar erstellen
  • Schritt 2 Shamir Backup oder Single-Seed wählen
  • Schritt 3 Multisig-Setup einrichten
  • Schritt 4 Versiegelter Vollstrecker-Umschlag vorbereiten
  • Schritt 5 Schweizer Notariatshinterlegung beim Notar
  • Schritt 6 Erben-Tutorial mit jährlichem Restore-Drill
  • Schritt 7 Jährliche Überprüfung des Setups
  • AMLO-FINMA und GwG-Compliance für Erben
  • Die technische Sicherheitsebene und warum der Seed niemals digital sein darf
  • Was ein Schweizer Notar für Bitcoin-Nachlassplanung wissen sollte

Ich arbeite im Krypto-Selbstverwahrungs-Bereich. Das Muster wiederholt sich. Jemand verbringt Wochen damit, die perfekte Hardware-Wallet zu wählen, sichert den Seed auf Stahl und denkt zur Nachlassplanung exakt einen Satz: "Ich schreibe es irgendwann auf." Genau hier kippt es. Bitcoin in Selbstverwahrung ist die einzige Vermögensklasse, bei der ein verstorbener Halter seine Erben dauerhaft und unwiderruflich aussperrt. Kein Gericht der Welt macht das rückgängig.

Dieser Beitrag ist Bildung. Kein Rechts- oder Steuerratschlag. Für konkrete Verträge und individuelle Planung gehst du zum Schweizer Notar und Steuerberater.


TL;DR

Bitcoin-Nachlassplanung in der Schweiz steht auf drei Ebenen:

  • Technisch: Seed-Sicherung (SLIP-39 oder Single-Seed), optional Multisig mit Dienstleister
  • Rechtlich: Erbvertrag mit Bitcoin-Custody-Klausel, öffentliche Beurkundung nach ZGB Art. 512 (Fedlex)
  • Operativ: Erben-Tutorial, jährlicher Restore-Drill, versiegelter Vollstrecker-Umschlag

Die Schweizer Pflichtteilsquoten 2026 nach der ZGB-Reform 2023: Ehegatte 25 %, Nachkommen 25 % des Nachlasses (ZGB Art. 471, Fedlex). Frei verfügbar: 50 %. Auf der Börsenseite greift GwG Art. 51 (Fedlex) bei der Identifikation der Erben.


Warum Bitcoin-Nachlassplanung anders ist

Aktien, Bankkonten, Immobilien. Im Todesfall existieren Prozesse. Banken frieren Konten ein und geben sie auf richterliche Anordnung frei. Das Grundbuchamt schreibt Eigentum um. Börsenkonten haben Begünstigtenverfahren.

Bitcoin in Selbstverwahrung kennt keinen dieser Prozesse. Die Blockchain registriert keinen Tod. Kein Gericht. Keine Erbfolge. Die Coins bewegt, wer den Seed kennt. Sonst niemand. Das ist die radikale Eigenschaft der Selbstverwahrung. Sie schützt vor Zugriffen von aussen. Sie unterscheidet aber nicht zwischen unerwünschtem Angreifer und legitimem Erben.

Schweizer Bitcoin-Halter haben zwei Probleme zugleich zu lösen. Technisch: Seed-Zugang für Erben. Rechtlich: Erbvertrag, Pflichtteilsabsicherung, AMLO-Compliance. Beide Ebenen scheitern unabhängig voneinander. Ein guter Erbvertrag ohne Seed-Zugang überträgt ein Dokument. Keine Coins. Ein zugänglicher Seed ohne rechtlichen Rahmen überträgt Coins. Mit ungeklärter Steuerpflicht und möglichen GwG-Problemen an der Börse.


Schweizer Erbrecht Grundlagen für Bitcoin

Pflichtteilsquoten 2026

Nach der ZGB-Reform, die 2023 in Kraft trat, gelten folgende Pflichtteile (ZGB Art. 471, Fedlex):

  • Ehegatte oder eingetragener Partner: 25 % des Nachlasses
  • Nachkommen: 25 % des Nachlasses (geteilt unter den Nachkommen)
  • Frei verfügbar: 50 % des Nachlasses

Die alte Regelung war strenger. Vor 2023 lag der Pflichtteil der Eltern bei 12.5 %, der der Nachkommen bei 37.5 %. Die Reform gibt Bitcoin-Haltern spürbar mehr Spielraum.

Praktisch heisst das: Wer einen Erbvertrag mit Bitcoin-Fokus baut, kann bis zu 50 % des Nachlasses frei verfügen. Die anderen 50 % sind an Pflichtteilsberechtigte gebunden. Wer diese Grenzen unterschreitet, riskiert eine Herabsetzungsklage der übergangenen Erben.

Erbvertrag versus Testament

Ein Testament in der Schweiz ist einseitig. Handschriftlich oder öffentlich beurkundet. Bis zum Todesfall jederzeit widerrufbar. Ein Erbvertrag (Pactum successorium) ist ein Vertrag. Erblasser und Erben schliessen eine bindende Vereinbarung. Sie muss öffentlich beurkundet werden (ZGB Art. 512, Fedlex). Aufheben geht nur mit Zustimmung beider Parteien.

Für die Bitcoin-Nachlassplanung ist der Erbvertrag robuster. Er gibt dem Erben früh Rechtssicherheit. Und er erlaubt, die Bitcoin-Custody-Mechanik als verbindliche Klausel zu verankern.


Schritt 1 Bitcoin-Inventar erstellen

Liste jeden Bestand auf. Jede Hardware-Wallet mit Modell und Seriennummer. Jede Empfangsadresse. Jeden Börsensaldo. Notiere den Verwahrungstyp (Selbstverwahrung oder Börse), den ungefähren Saldo per Erstellungsdatum und den Aufbewahrungsort der Seed-Phrase.

Das Dokument bleibt bei dir. Keine öffentliche Liste. Es ist die Grundlage für alle weiteren Schritte. Ohne dieses Inventar findet ein Erbe niemals alle Bestände. Bitcoin in vergessenen Wallets, auf aufgegebenen Börsenkonten oder auf alten Hardware-Geräten in Schubladen bleibt unauffindbar. Dauerhaft.

Aktualisiere das Inventar nach jedem Kauf einer neuen Hardware-Wallet, nach jedem Börsenwechsel und einmal jährlich im Rahmen der Gesamtüberprüfung.


Schritt 2 Shamir Backup oder Single-Seed wählen

Unter CHF 20 000 reicht ein 24-Wort-BIP39-Seed auf Stahl. Zwei Kopien, geografisch getrennt.

Ab CHF 20 000 lohnt Shamir Secret Sharing (SLIP-39). Der Seed wird kryptografisch in mehrere Shares aufgeteilt. Nur ein definiertes Quorum (z.B. 2 von 3) entsperrt die Wiederherstellung. Ein einzelner Share allein ist nutzlos.

Geräteunterstützung:

  • Trezor Safe 3: SLIP-39 nativ ab Werk (trezor.io/learn/a/shamir-backup)
  • Coldcard: PSBT-Workflow, für SLIP-39 separate Lösung nötig
  • Foundation Passport: Unterstützt SLIP-39 (foundationdevices.com)

Der Entscheidungsbaum:

BestandEmpfehlung
Unter CHF 20 000Single-Seed BIP39, 2 Kopien geografisch getrennt
CHF 20 000 bis CHF 200 000SLIP-39 2-von-3, Shares an drei Orten
Über CHF 200 000SLIP-39 3-von-5 oder Multisig (Schritt 3)

Schritt 3 Multisig-Setup einrichten

Ein 2-von-3-Multisig verteilt die Signierungskompetenz auf drei unabhängige Schlüssel. Keine einzelne Person, kein einzelner Geräteverlust, kein einzelner Todesfall blockiert die Coins. Zwei Schlüssel reichen für jeden Transfer.

Mögliche Konfiguration für Familien:

  • Schlüssel 1: Du (Hardware-Wallet)
  • Schlüssel 2: Ehepartner oder Vertrauensperson (Hardware-Wallet)
  • Schlüssel 3: Professioneller Dienstleister (Casa, Unchained oder ähnlich)

Etablierte Anbieter kollaborativer Custody:

  • Casa (keys.casa): Multisig mit Key-Recovery-Service
  • Unchained (unchained.com): Multisig für private und institutionelle Kunden
  • Onramp (onrampbitcoin.com): Fokus auf institutionelle Kunden

Aktuelle Preise und Schweizer Verfügbarkeit prüfst du direkt auf den Anbieter-Websites. Sie ändern sich regelmässig.

Wichtig: Multisig erhöht die Sicherheit und die Komplexität. Der Erben-Tutorial (Schritt 6) muss den Multisig-Prozess explizit üben. Ein nicht-technischer Erbe scheitert beim ersten Multisig-Kontakt ohne Vorbereitung.


Schritt 4 Versiegelter Vollstrecker-Umschlag vorbereiten

Erstelle ein physisch versiegeltes Dokument nur für den Willensvollstrecker. Inhalt:

  • Aufbewahrungsort jeder Hardware-Wallet (Schranknummer, Schliessfach-Nummer, geografischer Ort)
  • Kontaktdaten des Multisig-Dienstleisters und Kontonummer
  • Schritt-für-Schritt-Ablaufbeschreibung für den Erben-Tutorial
  • Hinweis auf den Notar, den Erbvertrag und die Bitcoin-Custody-Klausel

Was der Umschlag niemals enthält: Den Seed. Shamir-Shares. Beides liegt an separaten, gesicherten Orten. Im Umschlag stehen nur Standortangaben und Prozessbeschreibungen.

Deponiere den Umschlag beim Notar im Rahmen der Erbvertragshinterlegung oder lege ihn als Anhang zum Erbvertrag ab. Aktualisiere ihn jährlich, wenn sich Hardware oder Dienstleister ändern.


Schritt 5 Schweizer Notariatshinterlegung beim Notar

Ein Erbvertrag in der Schweiz braucht öffentliche Beurkundung (ZGB Art. 512, Fedlex). Notar plus zwei Zeugen.

Was die Bitcoin-Custody-Klausel enthalten sollte:

  • Identifikation jeder Hardware-Wallet und deren Standort (verschlüsselt oder in einem separat verwiesenen Dokument)
  • Name und Kontaktdaten des Multisig-Dienstleisters
  • Hinweis auf das Quorum (z.B. "2 von 3 Schlüsseln erforderlich")
  • Verweis auf den versiegelten Vollstrecker-Umschlag (Schritt 4)
  • Klare Zuweisung: Wer erhält welche Hardware-Wallet und welchen Seed-Anteil?

Das beurkundete Dokument selbst enthält keine Seed-Phrasen. Es beschreibt den Prozess und verweist auf die sicher hinterlegten technischen Informationen.

Stiftungsrahmen (ZGB Art. 80-89bis): Wenn du Bitcoin in eine Stiftung einbringen willst, regelt ZGB Art. 80-89bis den rechtlichen Rahmen. Dieses Instrument passt für grössere Bestände mit klaren Vermögensnachfolge-Zielen. Es braucht spezialisierte Rechtsberatung.


Schritt 6 Erben-Tutorial mit jährlichem Restore-Drill

Eine Nachlassplanung taugt nur, wenn der Erbe sie ausführen kann. Plane einen jährlichen Übungsblock von 60 Minuten mit dem Haupterben.

Was der Drill abdeckt:

  1. Hardware-Wallet zurücksetzen (Wipe)
  2. Seed-Phrase eingeben und prüfen, ob dieselben Adressen erscheinen
  3. Multisig-Dienstleister kontaktieren (Testlauf, kein echter Notfall)
  4. Vollstrecker-Umschlag öffnen und Schritt-für-Schritt-Anleitung durchgehen

Trezor Safe 3 hat das einfachste Interface für nicht-technische Nutzer. Erste Wahl für den Erben-Drill. Coldcard ist mächtiger, aber komplexer. Das Gerät, auf dem der Erbe regelmässig übt, ist das richtige Gerät für den Ernstfall.

Schreibe das Drill-Ergebnis mit Datum mit. Ein Erbe, der den Prozess einmal jährlich durchläuft, schafft ihn im Ernstfall. Theoretisches Wissen reicht bei einem Restore unter Trauer und Zeitdruck nicht aus.


Schritt 7 Jährliche Überprüfung des Setups

Setze einen festen Jahrestag für die vollständige Überprüfung aller Nachlassplanungs-Elemente.

Checkliste:

Technisch:

  • Sind alle Hardware-Wallets physisch zugänglich und funktionsfähig?
  • Ist der Seed auf Stahl intakt? Rost? Lesbarkeit?
  • Sind alle Shamir-Shares auffindbar und lesbar?
  • Existiert der Multisig-Dienstleister noch in unveränderter Form (Firmenübernahme, Einstellung des Dienstes)?

Rechtlich und finanziell:

  • Hat sich die Familienkonstellation geändert? Geburt, Scheidung, Todesfall
  • Sind die Begünstigtenformulare auf Schweizer Börsenkonten aktuell?
  • Entspricht der Erbvertrag noch dem aktuellen Willen?
  • Wurde ein Schlüssel oder Share kompromittiert?

Bei kompromittiertem Schlüssel: vollständige Schlüsselrotation auf einer neuen Hardware-Wallet. Coins auf neue Adressen transferieren. Alle Shares neu ausstellen.


AMLO-FINMA und GwG-Compliance für Erben

Wenn Erben Bitcoin von Schweizer Börsenkonten des Verstorbenen übernehmen, greift GwG Art. 51 (Fedlex). Die Börse prüft die Identität der wirtschaftlich Berechtigten und verlangt den Erbnachweis. Ohne öffentlich beurkundetes Erbnachweisdokument (Erbschein oder Erbvertrag) verweigert die Börse den Zugang.

Bei selbst verwahrtem Bitcoin auf Hardware-Wallets greift AMLO weniger direkt. Die Deklarationspflicht im Erbschaftsinventar gegenüber der Nachlassbehörde bleibt vollumfänglich bestehen. Die Bewertung für die Erbschaftssteuer erfolgt zum ESTV-Kursliste-Wert (estv.admin.ch) per 31. Dezember des Todesjahres.

Für die Erbschaftssteuer-Mathematik im Kanton Zürich (Pflichtteilsquoten, progressive Tarife für Kinder, konkrete CHF-Szenarien) ist Bitcoin Erbschaftssteuer Kanton Zürich der nächste Schritt.


Die technische Sicherheitsebene und warum der Seed niemals digital sein darf

Ein Seed in einer Datei. Per E-Mail versendet. In der Cloud gespeichert. Als Screenshot auf dem Smartphone. Das ist keine Nachlassplanung. Das ist ein Angriffsziel. Ein digitaler Seed wird kopiert, ohne dass der Inhaber es merkt. Ein Angreifer braucht keinen physischen Zugang.

Wie tief die Schwachstellen bei Seed-Verwaltung gehen, zeigt BIP39 Brute-Force-Angriff. Was passiert, wenn ein Seed verloren oder ein Passwort vergessen geht, beantwortet Bitcoin Wallet knacken mit btcrecover 2026 aus technischer Sicht.

Die operative Grundlage für alle Selbstverwahrungsarten erklärt Bitcoin Wallet Schweiz.


Was ein Schweizer Notar für Bitcoin-Nachlassplanung wissen sollte

Nicht jeder Notar kennt Bitcoin-Custody-Klauseln. Ein paar Hinweise für das Gespräch:

Erkläre den Unterschied zwischen Bitcoin auf einer Börse (rechtlich ähnlich einem Konto bei einer Bank) und Bitcoin in Selbstverwahrung (kein Intermediär, der Seed ist alles). Erkläre, dass die letztwillige Verfügung den Prozess beschreibt, aber den Seed selbst niemals enthalten darf. Erkläre das Quorum bei Multisig: Wer signiert mit wem was?

Ein erfahrener Schweizer Anwalt mit Krypto-Hintergrund baut die Brücke zwischen Notar und technischer Custody-Lösung. Die Bitcoin-Nachlassplanung ist ein Feld, in dem die Rechtspraxis der Technologie noch hinterherläuft.


Disclaimer: Bildung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Bitcoin-Nachlassplanung verbindet Schweizer Erbrecht, Verwahrungsmechanik und GwG-Offenlegungsregeln. Konsultiere einen zugelassenen Schweizer Notar und Steuerberater vor Unterzeichnung eines Erbvertrags.


Tiefer ins Thema: Bitcoin Erbschaftssteuer Kanton Zürich rechnet konkrete CHF-Szenarien durch. Bitcoin Wallet Schweiz erklärt die Selbstverwahrungsgrundlagen. BIP39 Brute-Force-Angriff zeigt die Angriffsvektoren auf schwache Seeds. Bitcoin Wallet knacken mit btcrecover 2026 deckt Recovery-Szenarien ab.

Vermögenssteuer schätzen: Der Zürcher Bitcoin-Steuerratgeber mit Rechner macht aus deinem Bestand die CHF-Zahl für die Steuererklärung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Bitcoin-Nachlassplanung und warum ist sie in der Schweiz anders?+
Bitcoin-Nachlassplanung verbindet technische Custody-Mechanik (Seed-Phrasen, Multisig, Hardware-Wallets) mit Schweizer Erbrecht (ZGB, Pflichtteilsregeln) und GwG-Offenlegungsregeln (AMLO). In der Schweiz braucht ein Erbvertrag öffentliche Beurkundung (ZGB Art. 512, Fedlex). Kein Gericht der Welt erzwingt aber eine Blockchain-Transaktion. Die operative Vorbereitung zählt deshalb genauso viel wie das Dokument. Können die Erben physisch auf den Seed zugreifen? Diese Frage entscheidet alles.
Wie hoch sind die Schweizer Pflichtteile für Ehegatten und Nachkommen 2026?+
Nach der ZGB-Reform 2023 beträgt der gesetzliche Pflichtteil des Ehegatten 25 % des Nachlasses. Die Nachkommen teilen sich zusammen weitere 25 % ([ZGB Art. 471](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/24/233_245_233/de), Fedlex). Frei verfügbar bleiben 50 %. Du kannst also bis zur Hälfte deines Bitcoin-Nachlasses frei vererben. Die restlichen 50 % gehen je zur Hälfte an Ehegatten und Nachkommen. Die genaue Berechnung hängt von der Familienkonstellation und einem allfälligen Testament oder Erbvertrag ab.
Was ist der Unterschied zwischen Shamir Backup (SLIP-39) und einem einzelnen BIP39-Seed?+
Ein BIP39-Seed (24 Wörter) ist alles oder nichts. Wer ihn hat, hat alles. SLIP-39 (Shamir Secret Sharing) teilt den Seed kryptografisch in mehrere Shares. Nur ein definiertes Quorum (z.B. 2 von 3 Shares) entsperrt die Wiederherstellung. Ein einzelner Share allein ist nutzlos. Das verbessert die Diebstahlssicherheit (kein einzelner Fund genügt) und die Erbsicherheit (ein verlorener Share ist nicht fatal). Trezor Safe 3 unterstützt SLIP-39 nativ ab Werk (trezor.io).
Was ist Multisig und welche Schweizer Anbieter gibt es?+
Multisig (Multiple Signature) verlangt für jede Transaktion die Signatur mehrerer unabhängiger Schlüssel. Ein 2-von-3-Multisig braucht zwei von drei Schlüsseln. Für die Nachlassplanung ist das wertvoll: Der Tod eines Schlüsselinhabers blockiert nichts. Die verbleibenden zwei Schlüssel bewegen die Coins. Casa (keys.casa) und Unchained (unchained.com) zählen international zu den etabliertesten Anbietern kollaborativer Custody. Prüfe aktuelle Preise und die Schweizer Verfügbarkeit direkt auf den Anbieter-Websites.
Muss ich beim Schweizer Notar einen Erbvertrag für Bitcoin machen?+
Pflicht ist es nicht. Empfehlung ja. Ein Testament reicht formell. Der Unterschied: Ein Testament ist einseitig und widerrufbar. Ein Erbvertrag (ZGB Art. 512) bindet Erblasser und Erben gemeinsam. Er wird vor einem Notar öffentlich beurkundet. Aufheben geht nur mit Zustimmung beider Seiten. Das gibt dem Erben eine stärkere Rechtsposition. Für Bitcoin-Nachlassplanung mit expliziter Custody-Klausel ist der Erbvertrag die robustere Lösung.
Was ist die AMLO-FINMA-Relevanz bei Bitcoin-Nachlässen?+
Nach GwG (Geldwäschereigesetz) Art. 51 müssen Finanzintermediäre, also Schweizer Börsen, bei Erbfällen die wirtschaftlich Berechtigten identifizieren und die Erbberechtigung prüfen. Erben, die Bitcoin von einer Schweizer Börse übernehmen, müssen den Erbnachweis erbringen und den AMLO-Identifikationsprozess durchlaufen. Bei selbst verwahrtem Bitcoin auf Hardware-Wallets greift AMLO Art. 51 weniger direkt, weil kein Finanzintermediär beteiligt ist. Die Deklarationspflicht im Erbschaftsinventar bleibt vollumfänglich bestehen.
Kann ich Bitcoin in eine Schweizer Stiftung einbringen zur Nachlassplanung?+
Ja, unter Voraussetzungen. Der rechtliche Rahmen für Stiftungen steht in ZGB Art. 80-89bis (Fedlex). Eine Familienstiftung darf nach der 2025-Reform nur noch eingeschränkte Zwecke verfolgen (Ausbildung, Unterhalt). Eine gemeinnützige Stiftung kann Bitcoin als Vermögenswert halten, sofern sie die steuerlichen Anforderungen für die Steuerbefreiung erfüllt. Die Gründung kostet nach Einschätzung von Rechtsexperten typischerweise mehrere Tausend Franken plus jährliche Prüfkosten. Konsultiere einen Anwalt für die Eignung im konkreten Fall.
Was passiert mit Bitcoin auf einer Schweizer Börse wenn ich sterbe?+
Schweizer Börsen haben Verfahren für Erbfälle. Die Erben weisen die Erbberechtigung nach (Erbschein oder öffentlich beurkundeter Erbvertrag) und durchlaufen den AMLO-Identifikationsprozess. Die Börse überträgt den Saldo dann auf ein Erben-Konto oder zahlt aus. Ohne klare Erbberechtigung und AMLO-Compliance bleiben Salden auf Börsen eingefroren. Halte deine Begünstigtenformulare aktuell.
Wie übergebe ich meinen Erben den Seed-Zugang ohne die Sicherheit zu meinen Lebzeiten zu kompromittieren?+
Trenne Information vom Standort. Der Seed bleibt an einem sicheren, nur dir bekannten Ort. Der Erbe erhält eine Schritt-für-Schritt-Anleitung im versiegelten Umschlag beim Notar. Sie beschreibt, wo der Seed liegt und wie er zu verwenden ist, enthält aber nie den Seed selbst. SLIP-39-Shares verteilst du an verschiedene Personen, sodass kein Einzelner alles hat. Regelmässige Drills stellen sicher, dass der Erbe den Prozess beherrscht, bevor er ihn braucht.
Welche Hardware-Wallet ist am besten für nicht-technische Erben?+
Trezor Safe 3 hat das einfachste Interface und unterstützt SLIP-39 nativ (trezor.io). Erste Wahl, wenn der Haupterbe technisch nicht versiert ist. Coldcard (coldcard.com) ist mächtiger, aber schwerer in der Bedienung. Foundation Passport (foundationdevices.com) bietet ein gutes Interface mit Open-Source-Firmware. Die Wallet, auf der ihr den Restore-Drill regelmässig übt, ist die richtige Wahl. Unabhängig vom Modell.
Was kostet eine professionelle Bitcoin-Nachlassplanung in der Schweiz?+
Die Kosten streuen. Öffentliche Beurkundung eines Erbvertrags beim Schweizer Notar liegt je nach Kanton und Umfang typischerweise im dreistelligen bis tiefen vierstelligen CHF-Bereich. Multisig-Dienstleister wie Casa und Unchained erheben Jahresgebühren, die aktuellen Tarife stehen auf den Websites. Stiftungsgründungen kosten signifikant mehr (mehrere Tausend CHF Einrichtung plus jährliche Prüfkosten). Eine Basislösung mit Erbvertrag, SLIP-39-Backup und jährlichem Erben-Drill ist der kosteneffizienteste Einstieg.
Muss ich Bitcoin in der Schweizer Nachlassplanung offiziell deklarieren?+
Ja. Bitcoin gehört vollständig ins Erbschaftsinventar, unabhängig vom Verwahrungsort. Selbst verwahrte Hardware-Wallets sind genauso deklarationspflichtig wie Börsensalden. Die Bewertung erfolgt zum ESTV-Kursliste-Wert (estv.admin.ch) per 31. Dezember des Todesjahres. Nicht-Deklaration ist Steuerhinterziehung. Die Nachlassbehörde erwartet eine vollständige Inventarisierung aller Wallet-Adressen und Bestände.
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MH
Mohamed Habbat

Autor

Schrieb dieses Buch über fünf Jahre Bitcoin-Recherche — weil er die Antworten selbst brauchte.

Über den Autor
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